{"id":2326,"date":"2017-11-30T12:31:01","date_gmt":"2017-11-30T12:31:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2326"},"modified":"2017-12-04T07:26:44","modified_gmt":"2017-12-04T07:26:44","slug":"advent-zeit-der-sehnsucht-zeit-des-aufbruchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2326","title":{"rendered":"Advent &#8211; Zeit der Sehnsucht, Zeit des Aufbruchs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zeit der Sehnsucht, Zeit des Aufbruchs<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8211; Die Ein\u00fcbung des Advents &#8211;<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e<\/em><em>Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.\u201c (Mk 13,33)<\/em><\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren diesen Aufruf Jesu an seine J\u00fcnger am ersten Adventsonntag. Er zieht uns in die doppelte Sinntiefe des Advents hinein als die Zeit der Vorbereitung auf das Geburtsfest Jesu Christi und des Gedenkens an seine Wiederkunft. Das Ged\u00e4chtnis des ersten Kommens Jesu und die Erwartung seiner Wiederkunft am Ende der Zeit sind ineinander verwoben.<\/p>\n<p>Sehnsucht und Verwirklichung, Hoffnung und Erf\u00fcllung, Unterwegssein und Ankommen: Der kirchliche Advent hebt den menschlichen Advent in den Bereich der Begegnung zwischen Gott und Mensch empor. Sich zwischen Hoffnung und Erf\u00fcllung vorfindend, tr\u00e4gt der Mensch sein Leben lang die Sehnsucht nach Ankunft und Heimat, Angenommensein, Gl\u00fcck und Frieden in sich. Trotz aller Erfahrungen von Begrenztheit und Bed\u00fcrftigkeit, Entt\u00e4uschung und Ohnmacht streckt er wieder und immer wieder neu seine Hand aus in der Erwartung, dass sie jemand in seine Hand legt und f\u00fcllt. Die Sehnsucht nach dem Geliebtwerden und die Hoffnung auf die Erf\u00fcllung des Lebens kennzeichnen unser Menschsein. Wir sind Wartende und Sehnende und Hoffende ein Leben lang.<\/p>\n<p>Der kirchliche Advent erinnert daran, dass unser menschlicher Advent aus sich heraus nicht beantwortbar ist. Die Erfahrung lehrt uns: Der Mensch schafft es auf sich allein gestellt nicht, seiner Sehnsucht und Hoffnung Heimat zu geben, die sein Herz im Frieden birgt und h\u00e4lt. Die liturgischen Texte des Advents nehmen diese Erfahrung auf und stellen sie zugleich in die Begegnung zwischen Gott und Mensch hinein. Was wir um unser selbst willen an menschlicher Heimat brauchen, verm\u00f6gen wir uns letztlich nicht selbst zu geben. Auf sich allein gestellt, gleicht der Mensch einer ausgestreckten Hand, die ins Leere greift. Und dennoch: In der ausgestreckten Hand wird unsere Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe und Erf\u00fcllung sichtbar. Darin erkennen wir unsere Ungeborgenheit, unser Unterwegssein und unsere Offenheit bis zu jener Begegnung, die letztlich Erf\u00fcllung schenkt.<\/p>\n<p>Die Zeit des Advents ist von daher nicht die Zeit einlullender Gef\u00fchle und harmonisierenden Gehabes. Der Advent ist die Zeit des Erwachens zu sich selbst. Was in unserer Existenz fraglich und bed\u00fcrftig ist, wird nicht beiseitegeschoben und sch\u00f6ngeredet. Der adventliche Mensch setzt sich der Bed\u00fcrftigkeit seiner Sehnsucht und Hoffnung schonungslos aus. Er ebnet sie nicht ein, er verdeckt sie nicht, er weicht ihr nicht aus. Auf die Erkenntnis bauend, dass er selbst, solange er bei sich und in seiner Welt verharrt, in seinem Leben stehen bleibt, erstarrt und ins Leere greift, wagt er den gro\u00dfen Schritt \u00fcber sich hinaus und in die Begegnung mit Gott hinein: Erst wenn er \u00fcber sich hinausgeht, wird der Mensch er selbst. Seine Sehnsucht und Hoffnung ist durchsichtig auf Gott hin. Er ist der Erf\u00fcllung seiner Sehnsucht und Hoffnung bed\u00fcrftig. Er ist Gottes bed\u00fcrftig. In der Begegnung mit ihm erf\u00e4hrt unser Sehnen und Hoffen den tiefsten Widerhall und die letzte Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Der Advent ist die Zeit der Verhei\u00dfung. Der kirchliche Advent gibt dem menschlichen Advent die Verhei\u00dfung, dass der Mensch die Stillung seiner Sehnsucht und die Erf\u00fcllung seiner Hoffnung nicht selbst schaffen kann und auch nicht zu schaffen braucht: Gott kommt ihm in Jesus von Nazareth menschlich entgegen und ist ihm in Jesus von Nazareth unendlich nahe. Wir sehnen uns nach der Erf\u00fcllung unserer Hoffnung und Gott sehnt sich nach der Erf\u00fcllung unserer Existenz. Mensch und Gott begegnen einander in Sehnsucht und Hoffnung. Das Wagnis des Glaubens, \u00fcber sich hinauszugehen und sich dem Segen des entgegenkommenden Gottes anheimzustellen, in dem alles Sehnen und Hoffen der Welt geborgen ist, bleibt eine pers\u00f6nliche Entscheidung. Wer das Wagnis eingeht, setzt sich dem Zerbrechen jener Haltung aus, die meint, sein Leben auf sich allein gestellt selbst erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen und zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Es ist ein Wagnis &#8211; nicht eines ins Leere, sondern in die Freiheit des entgegenkommenden Gottes. Die Zeit des Advents ist die Zeit der Verhei\u00dfung, dass Gott uns entgegenkommt, nicht die Zeit der Erf\u00fcllung, wie wir auch zu Weihnachten nicht die Vollendung von Welt und Mensch feiern, sondern die Menschwerdung Gottes. Gott bleibt der Gott der Verhei\u00dfung. Der kirchliche Advent sagt unserem menschlichen Advent: Wer das Wagnis des Glaubens unternimmt, \u00fcber sich hinauszugehen und sich unter den Segen des entgegenkommenden Gottes zu stellen, erf\u00e4hrt nicht die Hinwegnahme der Bedr\u00e4ngnisse und Lasten seiner Existenz, wohl aber den Wandel der Verzagtheit hin zur Hoffnung, die allen Widerfahrnissen standh\u00e4lt und den Wandel hin zur leisen Ahnung dessen, was unsere Existenz im Letzten ist.<\/p>\n<p>Frater Gregor Schwabegger O.Cist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit der Sehnsucht, Zeit des Aufbruchs &#8211; Die Ein\u00fcbung des Advents &#8211; \u201eSeht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.\u201c (Mk 13,33) Wir h\u00f6ren diesen Aufruf Jesu an seine J\u00fcnger am ersten [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2326"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2326"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2326\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2328,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2326\/revisions\/2328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}