{"id":2332,"date":"2017-12-23T20:29:04","date_gmt":"2017-12-23T20:29:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2332"},"modified":"2017-12-23T20:29:04","modified_gmt":"2017-12-23T20:29:04","slug":"auf-dem-weg-nach-bethlehem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2332","title":{"rendered":"Auf dem Weg nach Bethlehem"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf dem Weg nach Bethlehem<\/strong><\/p>\n<p><em>Heute sollt ihr es erfahren: Der Herr kommt, um uns zu erl\u00f6sen, <\/em><em>und morgen werdet ihr seine Herrlichkeit schauen<\/em> (vgl. Ex 16,6-7).<\/p>\n<p>Gott, dessen Kommen wir im Advent erwartet haben und dessen Ankunft wir zu Weihnachten feiern, ist der Gott der Verhei\u00dfung. So bringt es der oben genannte Er\u00f6ffnungsvers zur Eucharistiefeier am Heiligen Abend zur Sprache: Heute erfahren wir sein Kommen, aber erst morgen werden wir seine Herrlichkeit schauen. Die Lesungen und Gebete des Weihnachtsgottesdienstes stehen den \u00fcberh\u00f6hten Erwartungen und Anspr\u00fcchen auf ein \u201cvollkommenes\u201c Fest im Kreise der Familie und Freunde entgegen. Es sind diese Erwartungen gegen\u00fcber sich selbst und anderen, die in diesen Tagen Zwietracht s\u00e4en und zu Streit f\u00fchren. Demgegen\u00fcber nimmt der Sinngehalt der Weihnachtsliturgie eine geerdete Sicht auf die Situation des Menschen ein: Dieser geht auf den Pfaden seines Lebens unweigerlich auf Gott zu, er folgt dem Stern der Hoffnung, dass sein Leben doch einen Sinn hat und Erf\u00fcllung findet, und er erf\u00e4hrt, dass er sich letztlich keine bleibenden Herbergen schaffen kann. Die Hoffnung l\u00e4sst den Menschen weitergehen, bisweilen die Hoffnung auf Hoffnung, ahnend, dass sein Weg nicht zu Ende ist, sein Leben unvollendet bleibt und dass da noch etwas \u201canderes\u201c sein muss.<\/p>\n<p>Hierin hat die Botschaft von Weihnachten ihren Ort: Gott webt sich in die Menschheitsgeschichte ein. Er tritt in unsere Existenz ein und stellt sich unter den Bedingungen unserer Lebenswelt. Nicht als g\u00f6ttlicher Rollenspieler, sondern als einer von uns \u2013 als Mensch unter Menschen, als Mensch mit Menschen. \u201eUnd das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt\u201c (Joh 1,14). Am Menschlichen und Lebenswirklichen vorbei ist Gott nicht zu finden. Wenn wir diese schier unbegreiflichen Worte des Johannesevangeliums erfassen wollen, m\u00fcssen wir sie in ihrer Radikalit\u00e4t aufnehmen: Wir treffen Gott nicht nur auf den Gipfeln des Erfolgs an, sondern auch in den Tiefen des Scheiterns, nicht nur auf den H\u00f6hen der Freude, sondern auch in den Abgr\u00fcnden der Verzweiflung, nicht nur in den Segnungen der Liebe, sondern auch in den Lasten der Einsamkeit, wenn unsere Gebete im Schweigen verstummen. Gott zu begegnen, das ist nur im ganzen \u201cJa\u201c zur H\u00f6he und Tiefe unserer Existenz m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Hirten und die drei Weisen brechen nach Bethlehem auf. Dort sitzt nicht der g\u00f6ttliche Allherrscher auf dem Thron in einem Palast, dort liegt ein S\u00e4ugling in der Krippe eines Stalls. Gott kommt in unser Leben, aber anders als erwartet. Diese Pilger des Glaubens k\u00f6nnen sich von Gott ber\u00fchren lassen. Er ber\u00fchrt z\u00e4rtlich. Er ber\u00fchrt uns in dem Moment, wo wir uns von jenen Haltungen verabschieden, mit denen wir unsere vernarbten Wunden, die das Leben geschlagen hat, mit gespielter St\u00e4rke zu sch\u00fctzen trachten. Er ber\u00fchrt uns in dem Moment, wo wir uns zur Erkenntnis durchringen, dass wir letztlich mit leeren H\u00e4nden dastehen: Wir sind Empfangende des Lebens und wir k\u00f6nnen seine Wege nicht festhalten. Gott ber\u00fchrt uns z\u00e4rtlich, wo wir uns einander selbstlos zuwenden.<\/p>\n<p>Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt\u201c (Joh 1,14). Das Wort vom Wohnen muss vom griechischen Originaltext her als \u201czelten\u201c verstanden werden. Gott hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen. Er ist zum Menschen unterwegs und im Menschen ber\u00fchrbar geworden. Doch Gott bleibt der Gott der Verhei\u00dfung. Seine z\u00e4rtliche Ber\u00fchrung bleibt momenthaft, um meinetwillen und um des N\u00e4chsten willen. Nur auf diese Weise laufen wir nicht Gefahr, den anderen zum Mittel der eigenen Gottesbeziehung zu machen. Der N\u00e4chste ist als Gottes Bild und Gleichnis um seiner selbst willen zu achten. Die Erfahrung der Ber\u00fchrung Gottes l\u00e4sst sich weder festhalten noch beweisen. Sie erweist sich aber in Neugeborenwerden von Geist und Herz. Wir bleiben also unterwegs in heiliger Unruhe, die sich nach der F\u00fclle des Lebens sehnt. Wir sind Pilger in dieser Zeit, doch nicht allein, sondern mit Jesus Christus, der das Leben mit uns lebt.<\/p>\n<p>Frater Gregor Schwabegger OCist<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Weg nach Bethlehem Heute sollt ihr es erfahren: Der Herr kommt, um uns zu erl\u00f6sen, und morgen werdet ihr seine Herrlichkeit schauen (vgl. Ex 16,6-7). 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