{"id":2348,"date":"2018-02-06T08:39:16","date_gmt":"2018-02-06T08:39:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2348"},"modified":"2018-02-06T08:39:16","modified_gmt":"2018-02-06T08:39:16","slug":"umkehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2348","title":{"rendered":"Umkehren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Umkehren<\/strong><\/p>\n<p><em>Die Zeit ist erf\u00fcllt, das Reich Gottes ist nahe.<br \/>\n<\/em><em>Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,15)<\/em><\/p>\n<p>Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigt\u00e4gige Vorbereitungszeit auf das Osterfest: die Fastenzeit oder \u00d6sterliche Bu\u00dfzeit. Sie ist seit dem 4. Jahrhundert bezeugt. Den biblischen Hintergrund f\u00fcr die Zahl 40 liefern all jene Texte, in denen dem Zeitraum von 40 Tagen oder 40 Jahren eine besondere Bedeutung zukommt: Die Sintflut dauert 40 Tage und N\u00e4chte (vgl. Gen 7,4ff), Mose h\u00e4lt sich 40 Tage lang auf dem Sinai auf (vgl. Ex 24,18; 34,28) und der Prophet Elija wandert 40 Tage zum Gottesberg Horeb (vgl. 1 K\u00f6n 19,8). Das Volk Israel ist 40 Jahre durch die W\u00fcste unterwegs, ehe es ans Ziel gelangt (vgl. Jos 5,6). Die Stadt Ninive sollte in 40 Tagen untergehen (vgl. Jona 3,4). Und Jesus h\u00e4lt sich 40 Tage und N\u00e4chte in der W\u00fcste auf (vgl. Mk 1,13; Mt 4,2; Lk 4,1f), bevor er sein \u00f6ffentliches Wirken mit dem Ruf beginnt: \u201eDie Zeit ist erf\u00fcllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!\u201c Die Zahl 40 symbolisiert Zeiten der Selbstbesinnung und Kl\u00e4rung, der Pr\u00fcfung, Bu\u00dfe und Neuorientierung, der Vorbereitung und des \u00dcbergangs. In der \u00f6sterlichen Bu\u00dfzeit geht es also um eines: Umkehr, <em>met\u00e1noia<\/em>. Wer um-kehrt, der denkt um und richtet seinen Sinn neu aus.<\/p>\n<p>Wenn wir mit jemandem, der uns sehr nahe steht, \u00fcber unsere Schattenseiten sprechen, \u00fcber jenen ber\u00fchmten inneren Schweinehund, der immer wieder kehrt, \u00fcber ungute Verhaltensmuster, in die wir immer wieder zur\u00fcckfallen, dann mag der Satz sehr karg klingen: \u201eWenn du dein Denken und Verhalten nicht richtig findest, dann \u00e4ndere sie!\u201c Das ist direkt und n\u00fcchtern. So n\u00fcchtern, dass wir zun\u00e4chst sprachlos sind. Wir h\u00e4tten vielleicht eine Tr\u00f6stung erwartet oder zumindest eine Beruhigung, eine Relativierung unserer Probleme oder deren Rationalisierung. Bin ich \u00fcberrascht, wenn jemand direkt an meine Verantwortung gegen\u00fcber dem eigenen Leben appelliert? Ja, es ist eine n\u00fcchterne Wahrheit: Jeder ist f\u00fcr sein eigenes Denken und Verhalten, ist f\u00fcr sein eigenes Leben verantwortlich. Kein Freund und keine Freundin, nicht Ehemann und Ehefrau, kein Therapeut und Seelsorger kann einem das abnehmen. Niemand, nicht einmal Gott.<\/p>\n<p>Die Evangelien erz\u00e4hlen, dass Jesus niemanden gegen dessen Willen heilt. Und er zwingt niemanden zur Um-kehr. \u201eWillst du gesund werden?\u201c (Joh 5,6) fragt er den Bettl\u00e4gerigen am Teich Betesda. Dieser spricht ein verborgenes \u201eJa\u201c. Er verweist auf seine trostlose Situation und auf seine Sehnsucht nach Heilung, die bisher keine Erf\u00fcllung fand: \u201eHerr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich tr\u00e4gt. W\u00e4hrend ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.\u201c Da ist niemand, der ihn zum Wasser tr\u00e4gt, von dem sich viele Heilung versprechen. Er bleibt unter den Vielen auf sich allein gestellt. Da sagt ihm Jesus geradeheraus: \u201eSteh auf, nimm deine Bahre und geh!\u201c Der Mann steht auf und ist geheilt. Aufstehen, Gehen und Geheiltwerden \u2013 das alles ereignet sich in der Geschichte gleichzeitig. \u201cEs\u201c geht, dass der Bettl\u00e4gerige selbst aufsteht und geht und seine Barre in die Hand nimmt, die ihm achtunddrei\u00dfig Jahre lang fesselnde Lagerst\u00e4tte wie auch Last war. Jesus trug ihn nicht zum Teich. Er verlangte ihm auch nicht das Unm\u00f6gliche ab, sondern das ihm hier und jetzt M\u00f6gliche. Im Moment des Aufstehens, des Sich-Aufrichtens und Gehens erlebt der, welcher so lange die Welt von unten her wahrnahm, dass \u201ces\u201c geht.<\/p>\n<p>Wer im Sinne des Evangeliums umkehrt, wendet sich von dem ab, was Leben beeintr\u00e4chtigt, fesselt oder zerst\u00f6rt. Er kehrt um zum Leben (vgl. Ez 18,32; Apg 11,18) und zu dem, was Leben f\u00f6rdert und zum Wachsen bringt. Was will Gott in den alttestamentlichen Erz\u00e4hlungen mit der Umkehr erreichen? Genau dies: Heilung, Leben in F\u00fclle, Gemeinschaft mit ihm und untereinander (vgl. Dtn 30,2f; Ez 18,30f).<\/p>\n<p>Jesus stellt eine Zumutung an die, welche seine Botschaft leben wollen. Es ist nicht die Forderung des Unm\u00f6glichen, sondern die Zumutung der menschenm\u00f6glichen Umkehr: Jene Ver\u00e4nderung, die im eigenen Leben hinabgr\u00e4bt zum Punkt der unaufgebbaren Selbstverantwortung und noch tiefer hinab zum bisher Ungeahnten, das Jesus \u201eK\u00f6nigreich der Himmel\u201c nennt \u2013 es ist Leben in F\u00fclle (vgl. Joh 10,10).<\/p>\n<p>\u201eKehrt um, und glaubt an das Evangelium!\u201c So lautet die Zumutung Jesu in einem einzigen Ruf. Zuerst umkehren, dann erst glauben. Er mutet uns das zu als etwas, das uns m\u00f6glich ist, das aber jeder von uns alleine tun muss, um erleben zu k\u00f6nnen, was dann in unserem Leben an Wandlung geschieht.<\/p>\n<p>Frater Gregor Schwabegger OCist<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umkehren Die Zeit ist erf\u00fcllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! 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