{"id":2652,"date":"2019-03-05T11:27:40","date_gmt":"2019-03-05T11:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2652"},"modified":"2019-03-05T11:27:40","modified_gmt":"2019-03-05T11:27:40","slug":"das-bild-vom-staub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2652","title":{"rendered":"Das Bild vom Staub"},"content":{"rendered":"Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigt\u00e4gige \u00f6sterliche Bu\u00dfzeit als Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Im Gottesdienst dieses Tages werden die Gl\u00e4ubigen mit dem Aschenkreuz bezeichnet und h\u00f6ren dabei die Worte: \u201eKehr um und glaube an das Evangelium!\u201c oder \u201eBedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zur\u00fcckkehren wirst.\u201c<\/p>\n<p>Letzteres klingt d\u00fcster und lebensfeindlich. Aber das Bild vom Staub vermag viel \u00fcber die Wirklichkeit unseres Menschseins zu sagen. Es stammt aus dem Buch Genesis, aus der Rede Gottes an den Menschen im Garten Eden, als dieser seine Verantwortung f\u00fcr sein Tun abschiebt (vgl. Gen 3; hier: Gen 3,19). Das Paradies geht verloren. Mensch, du bist Staub, alles kehrt eines Tages zum Staub zur\u00fcck. In den Kl\u00f6stern, in unseren H\u00e4usern und Wohnungen gibt es mehr als genug Staub zu finden. Zuweilen wundern wir uns, woher er kommt. Staub, das ist nicht etwas Einzigartiges wie ein Samenkorn. Ohne Form und Gestalt, einmal hierhin, einmal dorthin ziehend, wird er von uns zertreten. Er verweht, sammelt sich neu und wird entfernt. Und doch kehrt der Staub wieder zur\u00fcck und ist doch \u00fcberall und damit nirgends zu Hause. Der Mensch erf\u00e4hrt sich als Staub: oftmals ratlos, oftmals umherziehend, suchend und verzweifelt, schuldig und immer wieder neu beginnend, von anderen \u00fcbergangen und leidend, leidend auch an sich selbst. All das schwingt in der Bedeutung des Bildes vom Staub mit. Und all das gilt es in den vierzig Tagen der \u00f6sterlichen Bu\u00dfzeit f\u00fcr das eigene Leben zu bedenken. Wie sehr w\u00fcrden unsere Entscheidungen an Weite und Tiefe gewinnen, wenn wir unser Staubsein annehmen w\u00fcrden. Wie sehr w\u00fcrde der Ernst der Verantwortlichkeit die Entschiedenheit unseres Handelns aufgrund solcher Entscheidungen existenziell pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Mensch, bedenke, dass du Staub bist. Da wird eine Aussage \u00fcber die Existenz des Menschen gemacht. Das Buch Genesis zeichnet auch ein anderes Bild, n\u00e4mlich jenes \u00fcber das Wesen des Menschen: Dass er Gottes Ebenbild ist (vgl. Gen 1,27) und Gott in ihm den Lebensatem geblasen hat (vgl. Gen 2,7). Doch das eine Bild hebt das andere nicht auf. Insofern das Bild vom Staub Wahres \u00fcber die Existenz des Menschen aussagt, ist sie dem Menschen auch zumutbar: Mensch, du wirst vergehen. Du gehst seit deiner Geburtsstunde auf den Tod zu. Unaufhaltsam. Jeder Tag ist ein Leben und der gestrige Tag kehrt nicht wieder zur\u00fcck. Dass der Mensch Ebenbild Gottes ist, wird dadurch nicht geschm\u00e4lert. Vielmehr wird man sagen m\u00fcssen: Wenn wir unser Staubsein nicht bejahen und annehmen, verliert die Dimension der Gottebenbildlichkeit ihre Tiefe und verkommt zur oberfl\u00e4chlichen Tr\u00f6stung. Sie verliert die Bodenhaftung, ihre Erdhaftigkeit.<\/p>\n<p>Mensch, bedenke, dass du Staub bist. Die n\u00fcchterne Aussage des Aschermittwochs wird durch den Prolog des Johannesevangeliums erh\u00f6ht: \u201eUnd das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt (\u2026).\u201c (Joh 1,14) Gott hat in Jesus Christus das Staubsein bejaht und angenommen. Auf dem Weg nach Golgota trug Christus alles, was das Staubsein des Menschen ausmacht. Er trug es und trug es in der Macht der Liebe zu Gott heim und in Gott hinein. Seitdem ist das Staubsein des Menschen nicht mehr das Gehen in die Aufl\u00f6sung allen Lebens, nicht mehr das unaufhaltsame Gehen in die Nichtigkeit, sondern jene Bewegung, die durch das Staubsein in das ewige Leben, in Gott, eingeht.<\/p>\n<p>Der Sinn des \u201eMensch, du bist Staub\u201c wird f\u00fcr alle, die sich der Macht der Liebe Gottes anvertrauen, f\u00fcr alle, die sich nach Liebe sehnen und Liebende sind, gewandelt. Der erste und harte Sinn der Aussage bleibt bestehen. Er muss getragen und oftmals schwer erlitten werden. Sonst wird die eigene Existenz nicht angenommen und die Bewegung erstirbt. Der erste Sinn erh\u00e4lt jedoch einen unermesslichen Gehalt: Diese Bewegung ist eine nach unten, sie bedeutet den Abstieg mit Christus in den Staub der Erde und erst dadurch wird sie zum Aufstieg, zur Bewegung in Gott hinein.<\/p>\n<p>Und hier scheint das Licht des Ostermorgens auf: Die Erl\u00f6sung geschieht nicht am Staubsein vorbei, sondern mitten durch unser Staubsein hindurch. Gott hat in Jesus Christus unser Staubsein bejaht, angenommen und getragen. Alle scheinbar vergebliche Liebe, alles Dunkel und alles sich Aufl\u00f6sende unserer Existenz ist erf\u00fcllt von der Ewigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frater Gregor Schwabegger OCist","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Aschermittwoch beginnt die vierzigt\u00e4gige \u00f6sterliche Bu\u00dfzeit als Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. 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