{"id":2745,"date":"2019-06-14T14:47:15","date_gmt":"2019-06-14T14:47:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2745"},"modified":"2019-06-14T14:47:15","modified_gmt":"2019-06-14T14:47:15","slug":"die-barmherzigkeit-gegenueber-dem-innenleben-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=2745","title":{"rendered":"Die Barmherzigkeit gegen\u00fcber dem Innenleben lernen"},"content":{"rendered":"Es ist eine interessante Beobachtung: Immer wieder suchen wir nach Stille, weil wir sie brauchen und in manchen Zeiten haben wir sogar Sehnsucht nach ihr. Dann aber, wenn wir in die Stille eintreten, halten wir sie kaum aus und fliehen vor ihr. Die Stille \u00f6ffnet die T\u00fcr zu unserem Innenleben: Pl\u00f6tzlich erhebt sich in uns viel L\u00e4rm und Get\u00f6se. Und diese Erfahrung kann einen so bedr\u00e4ngen, dass man die Stille verl\u00e4sst. Stattdessen suchen wir dann Ablenkungen und Besch\u00e4ftigungen. Sich selbst auszuhalten und \u2013 mehr noch \u2013 bei sich zu wohnen, das ist mitunter nicht einfach. Dieser Umstand kann so weit f\u00fchren, dass man durch einen rein \u00e4u\u00dferlich bleibenden Aktivismus vor sich selbst davonl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Das Verweilen in der Stille \u00f6ffnet die T\u00fcr zu unserem Innenleben. Was sich an L\u00e4rm und Get\u00f6se erhebt, setzt uns zun\u00e4chst einmal zu. Von welcher Art sind dieser L\u00e4rm und dieses Get\u00f6se?<\/p>\n<p>Es sind der L\u00e4rm der Bed\u00fcrfnisse und das Get\u00f6se des Grolls: Der Gedanken- und Bilderstrom an Bed\u00fcrfnissen offenbart die vielen unbefriedigten W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte, die Bildergeschichte des Grolls enth\u00fcllt unsere zahlreichen verletzten, gebrochenen und ungel\u00f6sten Beziehungen. Wenn ich dennoch in der Stille verbleiben will, was kann ich tun?<\/p>\n<p>Im Evangelium nach Matth\u00e4us sagt Jesus, als er daf\u00fcr kritisiert wird, den Z\u00f6llner Matth\u00e4us berufen und mit ihm Mahl gehalten zu haben: \u201eNicht die Gesunden bed\u00fcrfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht und lernt, was es hei\u00dft: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern S\u00fcnder.\u201c (Mt 9,12f)<\/p>\n<p>Dem inneren L\u00e4rm und Get\u00f6se ist nicht beizukommen, indem ich sie im Geiste fessle und opfere, t\u00f6te, schlachte, verbrenne. Die geistliche Erfahrung lehrt: Indem ich mich ihnen gegen\u00fcber ablehnend verhalte (\u201cDas darf nicht sein!\u201c), binde ich mich an sie und verst\u00e4rke ihre Wirkung. Was wir tun k\u00f6nnen, ist dies: Barmherzig zu unserem Innenleben zu sein und seinen L\u00e4rm und sein Get\u00f6se als Freunde zu behandeln.<\/p>\n<p>Wie kann das geschehen?<\/p>\n<p>Indem ich sie wahr sein lasse, indem ich hinh\u00f6re, was sie mir sagen. Der Strom der Bed\u00fcrfnisse spricht: \u201eIch habe viele W\u00fcnsche, die nicht erf\u00fcllt werden.\u201c Die Bildergeschichte des Grolls sagt: \u201eIch will geachtet, angenommen und geliebt werden.\u201c Statt unsere Bed\u00fcrfnisse und unseren Groll als ungebetene G\u00e4ste zu betrachten oder als Feinde zu bek\u00e4mpfen oder als \u201cOpfer\u201c darzubringen, sollten wir anerkennen: Ja, da ist etwas in mir, das der Befreiung und Heilung bedarf. Das ist ein Akt der Selbsterkenntnis. Sie f\u00fchrt zur Selbstannahme und geleitet im Raum der Stille zum Strom der Liebe hin, in dem Bed\u00fcrfnisse und Groll auf ihren Kern hin gereinigt und gewandelt werden. Dieses Geschehen braucht viel Geduld. Seine Wirkung entfaltet sich in einer tieferen Reife, in einer geerdeten Liebe und in einem Frieden, der auf meine Umwelt ausstrahlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frater Gregor Schwabegger OCist<\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine interessante Beobachtung: Immer wieder suchen wir nach Stille, weil wir sie brauchen und in manchen Zeiten haben wir sogar Sehnsucht nach ihr. Dann aber, wenn wir in die Stille eintreten, halten wir sie kaum aus und fliehen [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2745"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2745"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2746,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2745\/revisions\/2746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}