{"id":3468,"date":"2021-03-17T19:32:29","date_gmt":"2021-03-17T19:32:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stiftstams.at\/?p=3468"},"modified":"2021-03-17T19:32:43","modified_gmt":"2021-03-17T19:32:43","slug":"predikt-zum-gruendungstag-des-stifts-am-12-maerz-2021-von-abt-german","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=3468","title":{"rendered":"Predigt zum Gr\u00fcndungstag des Stifts am 12. M\u00e4rz 2021 von Abt German"},"content":{"rendered":"Liebe Mitbr\u00fcder!<br \/>\nWir alle wissen es: Am 12. M\u00e4rz 1273 sind die Zisterzienser, aus Kaisheim kommend, hier in Stams eingetroffen. Und heuer sind es genau 750 Jahre, dass im J\u00e4nner 1271 im Konventkapitel in Kaisheim die Bitte des Grafen Meinhard von Tirol und seiner Gemahlin Elisabeth, zur Gr\u00fcndung eines Klosters M\u00f6nche nach Stams in Tirol zu schicken, besprochen und der Bitte stattgegeben wurde. In der Folge wurden 12 Patres und 5 Br\u00fcder ausgew\u00e4hlt, an dieser neuen Zisterze bei der Johanneswallfahrt in Stams, das monastische Leben zu beginnen.<br \/>\nDer Grund war ein zweifacher: Zum einen sollte ganz nach dem Willen von Elisabeth das Kloster ein Ort des Gebetes f\u00fcr und des Gedenkens an ihren Sohn Konradin sein, den letzten Spr\u00f6ssling aus der Dynastie der Staufer. Zum anderen sollte dieses Kloster Begr\u00e4bnisst\u00e4tte werden f\u00fcr die Grafen von Tirol und ihre Familien, ganz nach dem Willen Meinhards. Schlie\u00dflich war die Hausgruft auf Schloss Tirol zu klein geworden und sie war nach der Meinung Meinhards nicht repr\u00e4sentativ genug. Dieses Verm\u00e4chtnis wurde an diesem Ort und in diesem Kloster nun 748 Jahre lebendig gehalten.<br \/>\nLeben ist nie linear! In jedem Menschenleben gibt es ein Auf und Ab, es gibt Wege und Umwege und so ist es auch im Leben eines Klosters: Zeiten der Bl\u00fcte und W\u00fcstenzeiten wechseln einander ab. Was aber alle Generationen verbindet ist das Bem\u00fchen, im Dienst Gottes treu zu sein, zur Ehre Gottes in feierlicher Weise zu beten und im gemeinsamen Leben nach den evangelischen R\u00e4ten Zeuge Gottes in der Welt zu sein: denn ein Kloster ist Gottes Zelt auf Erden, verborgen ist er da \/ in menschlichen Geb\u00e4rden bleibt er den Menschen nahe. Und das ist auch heute unsere Berufung: Aus Gottes Gnade zu leben und f\u00fcr ihn Zeugnis zu geben. Und das k\u00f6nnen wir nur in einer<br \/>\nlebendigen Beziehung mit Gott, denn, wie der Psalmist sagt: Aus Gottes Gnade bin ich, was ich bin.<br \/>\nWir alle haben uns in den Dienst der Berufung gestellt und wir gehen unseren Weg im Vertrauen auf die N\u00e4he Gottes und so ist es unbedingt notwendig, dass unsere Beziehung zu Gott lebendig ist und immer wieder von neuem Leben erf\u00fcllt wird.<br \/>\nWir alle wissen aus eigener Erfahrung: Auch im Kloster kommt es gelegentlich zu M\u00fcdigkeit, Oberfl\u00e4chlichkeit, zu einer gewissen Routine und oft auch zu einer gewissen Fixierung auf \u00c4u\u00dferlichkeiten. Um das zu vermeiden, ist es immer wieder notwendig, dass wir der Aufforderung des Propheten Hosea in der heutigen Lesung Folge leisten, wenn es da hei\u00dft: \u201eKehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott!\u201c Kehr um zum Herrn und sag zu ihm \u201eNimm alle Schuld von uns und lass uns Gutes erfahren\u201c.<br \/>\nNach diesem Guten sollen wir immer streben, wir sollen einander Gutes w\u00fcnschen, denn sch\u00f6n ist es, wenn Br\u00fcder in Eintracht beisammen sind. Doch auch im Kloster kann es zu Zerw\u00fcrfnissen kommen, die ein St\u00f6rfaktor sind f\u00fcr ein in der g\u00f6ttlichen Liebe begr\u00fcndetes Gemeinschaftsleben und unter Umst\u00e4nden dem christlichen Geist des kl\u00f6sterlichen Lebens den N\u00e4hrboden rauben und eine Verh\u00e4rtung der Herzen bewirken.<br \/>\nDas Gel\u00f6bnis bei der Hl. Profess ist noch kein Garantieschein, dass die evangelischen Tugenden ein Leben lang im Einzelnen wirklich auch lebendig sind. Diese Tugenden m\u00fcssen immer wieder gen\u00e4hrt werden durch den guten Willen und das redliche Bem\u00fchen des Einzelnen. Und wenn der Mensch sich wirklich M\u00fche gibt, dann gibt der liebe Gott auch seinen Segen und seine Gnade. Haben wir doch in der Lesung den Spruch des Herrn geh\u00f6rt: Ich werde sein wie der Tau f\u00fcr Israel.<br \/>\nAuf diesen Tau Gottes haben die vielen Generationen von M\u00f6nchen in diesem Kloster wohl immer vertraut. Und auf diesen Tau vertrauen auch wir heute in dieser oft sehr widerspr\u00fcchlichen und durchwachsenen Welt.<br \/>\nDer Tau f\u00e4llt in der Nacht, w\u00e4hrend es dunkel ist, und wir nur wenig oder gar nichts davon sp\u00fcren. Er f\u00e4llt unscheinbar, w\u00e4hrend die Erde ruht und er erfrischt das Land. So tut Gott sein Werk unter uns und wir nehmen oft kaum davon Notiz. Trotzdem schickt er uns aber den Tau, der seinem ewigen Morgen vorangeht, den Hl. Geist.<br \/>\nWir alle sind ins Kloster gegangen, um in einem unmittelbaren Dialog mit Gott unseren Weg zu gehen. Dieser gemeinsame Lebensweg darf aber innerhalb der kl\u00f6sterlichen Gemeinschaft nie zu einem sterilen Nebeneinanderher werden, vielmehr soll er immer gepr\u00e4gt sein von einem lebendigen und spannenden Miteinander. Die Grundlage daf\u00fcr ist, dass wir immer aufmerksam das Wort Gottes h\u00f6ren und es in uns aufnehmen und vertiefen. Denn dieses Wort ist der Sauerteig unseres Lebens: Es l\u00e4sst einen guten und festen Willen wachsen und gedeihen \/ und es erneuert die Bereitschaft zum Dienst im Opus Dei und zum Dienst an den Mitbr\u00fcdern im Kloster und den uns \u00fcbertragenen Aufgaben. In dieser Weise handelt Gott an uns Menschen durch seinen Geist. Immer wieder hat er \u00fcber die Jahrhunderte den Glauben, die Hoffnung und die Liebe in diesem Kloster neu aufbl\u00fchen lassen und lebendig gemacht. Auch wenn es dann gelegentlich trockene und harte Zeiten gegeben hat, immer wieder hat sich im Kloster der Wille und die Bereitschaft der M\u00f6nche durchgesetzt, ihren Versprechen treu zu bleiben und als willige Gef\u00e4\u00dfe der g\u00f6ttlichen Gnade auf den Weg des geistlichen Lebens den je n\u00e4chsten Schritt zu tun.<br \/>\nWichtig ist, dass wir uns immer einen offenen und liebenden Blick f\u00fcreinander bewahren, denn auch im Kloster gilt: die von Gott gen\u00e4hrte Liebe ist das Band, das alles zusammenh\u00e4lt!<br \/>\nLiebe Mitbr\u00fcder, wenn wir in diesem Bem\u00fchen miteinander unser Leben gestalten und in kleinen Schritten den Weg unserer Berufung treu gehen, ohne uns innerlich zu verweigern, dann kommt dieser Tau Gottes \u00fcber uns und tut seine Wirkung. Und dann k\u00f6nnen wir frohen Herzens und gelassen unsere Berufung leben und dann sind wir, gem\u00e4\u00df dem Spruch des Herrn im heutigen Evangelium, nicht fern vom Reich Gottes.<\/p>\n<p>Amen","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Mitbr\u00fcder! Wir alle wissen es: Am 12. M\u00e4rz 1273 sind die Zisterzienser, aus Kaisheim kommend, hier in Stams eingetroffen. 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