{"id":3823,"date":"2022-01-13T13:47:35","date_gmt":"2022-01-13T13:47:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=3823"},"modified":"2022-01-13T13:47:35","modified_gmt":"2022-01-13T13:47:35","slug":"zum-umgang-mit-negativen-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=3823","title":{"rendered":"Zum Umgang mit negativen Gedanken"},"content":{"rendered":"Eine Erz\u00e4hlung aus dem fr\u00fchen M\u00f6nchtum lautet: \u201eEin Bruder kam zum Altvater Poimen und sagte: \u201aVater, ich habe vielerlei Gedanken und komme durch sie in Gefahr.\u2019 Der Altvater f\u00fchrte ihn ins Freie und sagte zu ihm: \u201aBreite dein Obergewand aus und halte die Winde auf!\u2019 Er antwortete: \u201aDas kann ich nicht!\u2019 Da sagte der Greis zu ihm: \u201aWenn du das nicht kannst, dann kannst du auch deine Gedanken nicht hindern, zu dir zu kommen. Aber es ist deine Aufgabe, ihnen zu widerstehen.\u2019\u201c<\/p>\n<p>T\u00e4glich m\u00fchen wir uns darum, negative Gedanken nicht in uns eindringen zu lassen. Sie sollen nicht bei uns Wohnung nehmen. Aber wir merken: Es gelingt nicht, sie mit Gewalt fernzuhalten. Wir k\u00f6nnen einen negativen Gedanken unterdr\u00fccken und er kehrt zur\u00fcck. Immer st\u00e4rker als zuvor. Und letztlich wird er zum Mittelpunkt, um den sich alle innere Kraft dreht. Schlie\u00dflich bestimmt er unser Verhalten. Abbas Poimen, eine der gro\u00dfen Pers\u00f6nlichkeiten des M\u00f6nchtums aus dem sp\u00e4ten 3. Jahrhundert, zeigt das im Bild vom ausgebreiteten Obergewand, das die Winde aufhalten soll. Negative Gedanken werden wie die Winde immer wieder kommen und in uns eindringen. Wir k\u00f6nnen das nicht verhindern.<\/p>\n<p>Was aber k\u00f6nnen wir dann tun? Abbas Poimen spricht von der Aufgabe, \u201eihnen zu widerstehen\u201c. Lernen, mit ihnen umzugehen und lernen, mit ihnen zu k\u00e4mpfen. Dieses K\u00e4mpfen hat die Gestalt des Dialogs: Wir sollen lernen, mit unseren Gedanken zu sprechen, indem wir sie nach dem befragen, was sie von uns wollen. Dahinter steht die Erfahrung der ersten M\u00f6nchsgeneration, dass in jedem Gedanken, auch in jedem negativen Gedanken, ein verborgener Sinn liegt, der darauf wartet, ans Licht gehoben zu werden. Was will uns ein negativer Gedanke sagen? Was will er uns \u00fcber uns selbst sagen? Wo will er Kr\u00e4fte freisetzen, die dem Leben dienen?<\/p>\n<p>\u201eAber es ist deine Aufgabe, ihnen zu widerstehen.\u201c Negative Gedanken d\u00fcrfen sein. Die Aufgabe besteht darin, <em>mit<\/em> ihnen k\u00e4mpfen zu lernen. <em>Mit<\/em> ihnen, nicht gegen sie. Dieser Kampf geh\u00f6rt zum Lernen der Selbsterkenntnis. Vielleicht mag uns hier das Bild vom sportlichen Wettkampf weiterhelfen. Im Wettkampf lernen wir nicht nur den von uns respektierten Gegner kennen, dessen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, sondern wir lernen auch uns selbst kennen. Darum geht es: Im t\u00e4glichen \u00dcben vertraut zu werden mit unseren Gedanken. Und mit jedem \u00dcben w\u00e4chst die F\u00e4higkeit sich zu bew\u00e4hren. Wir gewinnen an innerer St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Das Vertrautwerden mit unseren negativen Gedanken geh\u00f6rt zur t\u00e4glichen Schule der Selbsterkenntnis. Wer in sie geht, wird wie Abbas Poimen eine vertrauensw\u00fcrdige Pers\u00f6nlichkeit: Ein Mensch, dem man vertrauen kann, weil er sich selbst kennt und angenommen hat. Wer sich selbst angenommen hat, ist freundlich zu sich selbst und wird auch anderen freundlich begegnen.<\/p>\n<p>P. Gregor Schwabegger OCist","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Erz\u00e4hlung aus dem fr\u00fchen M\u00f6nchtum lautet: \u201eEin Bruder kam zum Altvater Poimen und sagte: \u201aVater, ich habe vielerlei Gedanken und komme durch sie in Gefahr.\u2019 Der Altvater f\u00fchrte ihn ins Freie und sagte zu ihm: \u201aBreite dein Obergewand aus [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3823"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3823"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3823\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3825,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3823\/revisions\/3825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.stiftstams.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}