{"id":3870,"date":"2022-04-10T18:09:44","date_gmt":"2022-04-10T18:09:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=3870"},"modified":"2022-04-10T18:09:44","modified_gmt":"2022-04-10T18:09:44","slug":"betrachtung-zu-ostern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=3870","title":{"rendered":"Betrachtung zu Ostern"},"content":{"rendered":"Das Buch Genesis, das erste Buch der Heiligen Schrift, erz\u00e4hlt: Gott schenkt dem Menschen den Garten Eden, den Lebensgarten, damit er ihn bewohnt, ihn genie\u00dft und f\u00fcr ihn Sorge tr\u00e4gt. Die Mitte des Gartens soll der Macht des Menschen entzogen sein. Die Mitte h\u00e4lt gegenw\u00e4rtig, dass sich der Mensch die Wunder des Lebens nicht sich selbst verdankt, sondern geschenkt bekommt. Doch der Mensch will diesem Geschenk nicht trauen. Und so greift er danach. Er will es in Besitz nehmen. Er will es beherrschen. Im selben Augenblick, da er das Vertrauen verliert, da kommt er sich selbst, da kommt ihm die ganze Welt armselig vor. Gott misstrauend, erscheint ihm nun die ganze Welt als Qual und das Leben als Kampf ums Dasein.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die folgenden Erz\u00e4hlungen des Alten Testaments so verstehen, dass Gott nur eine Sehnsucht hat: Dass der Mensch wieder zur Freundschaft mit ihm findet, die Welt als Garten des Lebens erf\u00e4hrt und wieder die urspr\u00fcngliche Ehrfurcht hat vor allem Leben. Aber weil all das so oft als menschlich gebrochen erschienen ist wie Licht in Nebelfeldern, begibt sich Gott selbst ganz in seine Sch\u00f6pfung hinein und in die Geschichte der Menschheit: In <em>Jesus<\/em> von Nazareth ist er Mensch geworden, um die Menschen von allem zu heilen, was sie von ihm und was sie voneinander trennt: \u201eDamit sie das Leben haben und es in F\u00fclle haben.\u201c So hat Gott den Weg zur heilen Freundschaft mit ihm bereitet, damit er in seinem Sohn Jesus \u201eAbba, Vater\u201c genannt werden kann und die Menschen Kinder Gottes sein k\u00f6nnen und untereinander Br\u00fcder und Schwestern. Und Jesus lebt vollkommen, was er von Gott sagt: \u201eHabt Vertrauen! F\u00fcrchtet euch nicht!\u201c Er r\u00fcttelt zur Wachsamkeit auf und mahnt zur Umkehr. Er heilt und vers\u00f6hnt. Er h\u00e4lt Mahl und gibt Nahrung. Er ruft zur\u00fcck ins Leben und richtet auf. Er l\u00e4sst sich zuinnerst ber\u00fchren von Menschennot und Elend. Er wendet sich allen zu, die zu ihm kommen und sucht jene auf, die vereinsamt sind, die gebrochen sind und gebrochen wurden. Was er sagt und vollbringt, wie er den Menschen begegnet, das geht vielen ins Herz. Diese sind es, die erfahren: Wie Gott ist, das ist in Jesus von Nazareth vollkommen gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Aber weil er Gott seinen Vater und sich Sohn Gottes nennt, und weil eine solche g\u00f6ttliche Liebe alles Leben umfasst, weil sie alle umarmt, ob nach Menschenurteil rein oder unrein, erfolgreich oder gescheitert, armselig oder reich, dazugeh\u00f6rig oder ausgeschlossen, ob Mann, Frau oder Kind, darum schafft er sich Feinde. Feinde unter jenen, die solcher Liebe misstrauen, denen solche Liebe Angst macht. Und ihre Angst steigert sich zum blinden Hass.<\/p>\n<p>Ihr Hass vernichtet Jesus am Kreuz. Noch in seinen letzten Augenblicken betet er auch f\u00fcr sie. Am Kreuz zieht er alles an sich: Alles, was Leid ist und Leid verursacht; alles menschliche Gebrochensein, alle Verlorenheit; alles, was S\u00fcnde ist und den Menschen unfrei macht. Er zieht das ganze Menschengeschlecht an sich und tr\u00e4gt es sterbend in Gott hinein. Jene, die ihn vernichten, machen sichtbar wahr, was Jesus von Gott verk\u00fcndet hat und was er gelebt hat: Dass er die Menschen, auch jene, die sich blind in Hass und Gewalt verloren haben, im Herzen tr\u00e4gt. So tief, dass diese Liebe in Jesus bis zur Hingabe des eigenen Lebens geht.<\/p>\n<p>Jesus erlebt im Sterben die menschliche Verlassenheit, als er den Psalm 22 zu beten beginnt: \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.\u201c Doch die Worte des Psalms enden nicht in der Gottverlassenheit, sondern im Gottvertrauen. In diesem Vertrauen gibt Jesus sein Leben hin. Im Vertrauen zu Gott, seinem Abba, dass sein Leben in ihm vollendet ist.<\/p>\n<p>Die Freunde Jesu, Frauen und M\u00e4nner, die ihm nachfolgen, erfahren es dann ganz neu: Gott ist gegenw\u00e4rtig. Und die Mitte ihrer Erfahrung ist Jesus. Nicht als Erinnerung, sondern im Hier und Jetzt. Als der, welcher in Gott lebt und sich ihnen von Gott her zuwendet: \u201eDer Friede sei mit euch!\u201c Diese Erfahrung l\u00e4sst sie aufbrechen. In der ihnen vertrauten Glaubenssprache sagen sie: \u201eJesus ist auferstanden. Gott hat ihn von den Toten auferweckt.\u201c<\/p>\n<p>Ostern bedeutet: Unser Leben, wenn es trotz allem auf die Liebe hin ausgerichtet bleibt, wenn es von der Hingabe in der Kraft der Liebe bewegt und getragen wird, wenn auch immer bruchst\u00fcckhaft, dieses unser Leben wird f\u00fcr immer in Gott bewahrt. Das ist jenes Vertrauen, das die kreisende Angst um sich \u00fcberwindet. Das Vertrauen zu Gott, der sich danach sehnt, dass wir erl\u00f6st in seiner Gegenwart leben. Das Vertrauen, dass Gott uns in sein Herz eingeschrieben hat und uns tr\u00e4gt ins ewige Leben. Das hat Jesus verk\u00fcndigt, das hat er geglaubt, das hat er vollkommen gelebt. Darum ist er als der Gekreuzigte der Auferstandene geworden. Sein Leben, sein Leiden und sein Tod \u00f6ffnen, wie Gott ist. So spricht das Kreuz die erl\u00f6sende Wahrheit \u00fcber den Menschen aus und steht aufrecht als Zeichen der Hoffnung in der Mitte unseres Lebens und unseres Glaubens, unseres Fragens und Suchens.<\/p>\n<p>P. Gregor Schwabegger OCist","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch Genesis, das erste Buch der Heiligen Schrift, erz\u00e4hlt: Gott schenkt dem Menschen den Garten Eden, den Lebensgarten, damit er ihn bewohnt, ihn genie\u00dft und f\u00fcr ihn Sorge tr\u00e4gt. 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