{"id":4239,"date":"2023-04-07T08:10:35","date_gmt":"2023-04-07T08:10:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=4239"},"modified":"2023-04-07T08:10:35","modified_gmt":"2023-04-07T08:10:35","slug":"kreuz-und-auferstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=4239","title":{"rendered":"Kreuz und Auferstehung"},"content":{"rendered":"<strong>Gedanken zu Passion und Ostern<\/strong><\/p>\n<p>Das Kreuz. Es ist zuallererst ein Hinrichtungsinstrument, eines, das zu den grausamsten der Menschheitsgeschichte geh\u00f6rte. K\u00f6rperliche Blo\u00dfstellung und menschliche Entw\u00fcrdigung, qualvolles Sterben bis zu mehreren Tagen. Das Kreuz symbolisiert den Sadismus, zu dem Menschen bis heute f\u00e4hig sind. Das Kreuz: Es steht f\u00fcr alles Leid, das wir einander zuf\u00fcgen. Einmal wissend, was wir da einander antun. Einmal verdr\u00e4ngend, was wir da tun, wenn wir den Verzweiflungsschrei des N\u00e4chsten \u00fcberh\u00f6ren und wegschauen \u2013 \u00fcberfordert und sprachlos, mitunter auch gleichg\u00fcltig. Empathie tut weh und die Gleichg\u00fcltigkeit soll vor dieser Empfindung sch\u00fctzen. Dann auch die Haltung: Es ist eben so, da kann man nichts machen. Jesus bittet am Kreuz Gott allen zu vergeben, die ihm Leid zuf\u00fcgen: \u201eVater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun\u201c (Lk 23,34). Wem gilt seine Bitte? Seinem Freund Judas, der ihn verriet. Seinen Freunden, die davongelaufen sind und ihn im Stich lassen. Petrus, der ihn verleugnete. Dem Hohen Rat, den Hohepriestern und religi\u00f6sen Autorit\u00e4ten, die ihn zeit seines \u00f6ffentlichen Wirkens mit Argwohn und Hass gegen\u00fcbertraten und schlie\u00dflich seine Verurteilung betrieben. Pilatus, der, getrieben von der Angst vor Machtverlust und von der Angst vor seinem Kaiser in Rom, wider bessere Einsicht Jesus der Hinrichtung am Kreuz ausliefert. Den Folterknechten und Soldaten, die ihn verspotten, schlagen und qu\u00e4len \u2013 sie sind die untersten Glieder eines R\u00e4derwerks, das keinen Widerspruch duldet und kein Mitgef\u00fchl kennt; die Geschlagenen und Gedem\u00fctigten werden zu Schl\u00e4gern und Dem\u00fctigern. Die Bitte Jesu um Vergebung gilt allen, f\u00fcr die sein Prozess und seine Hinrichtung ein Schauspiel ist: den Schreiern, den Schaulustigen, den Stumpfsinnigen, den Sadisten. Schlie\u00dflich allen, die das Unrecht sahen, sich dennoch abwandten und schwiegen. Allen, die nichts taten als sie h\u00e4tten aufstehen und handeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>F\u00fcr sie alle betet Jesus. Wenn keine Schuld vorgelegen h\u00e4tte, w\u00e4re seine F\u00fcrbitte sinnlos gewesen. Verrat und Verleugnung, lebensausl\u00f6schende Ungerechtigkeit, grenzenlose Entw\u00fcrdigung und furchtbare Qualen k\u00f6nnen seine Liebe nicht ausl\u00f6schen. Was er verk\u00fcndigt hat, das lebt er bis zum letzten Atemzug. Wo nur mehr Hass, Gewalt und Tod sind, da liebt Jesus un\u00fcberwindlich weiter. Trotz aller Entw\u00fcrdigung bleibt er k\u00f6niglich und unantastbar in seiner W\u00fcrde: \u201eDu sagst es, ich bin ein K\u00f6nig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich f\u00fcr die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, h\u00f6rt auf meine Stimme\u201c (Joh 18,37). Das ist Jesu Zeugnis: Es gibt eine Liebe, die den Tod f\u00fcr alle Zeit \u00fcberdauert. So wandelt sich auf Golgota das Kreuz als Zeichen menschlicher Abgr\u00fcndigkeit zum Zeichen einer Liebe, die sich hingibt. Es wird zum Zeichen der Liebe, welche die Erl\u00f6sung des Menschen bis in dessen tiefste Abgr\u00fcndigkeit sucht. Es wird zum Zeichen einer Liebe, die bis zum letzten Atemzug lebt und, so die Botschaft von Ostern, durch die Finsternis des Todes hindurchgeht: \u201eFriede sei mit euch!\u201c (Joh 20,19).<\/p>\n<p>Die tiefere Bedeutung des Kreuzes ist also eine zweifache. Erstens die Abkehr von Gleichg\u00fcltigkeit und fehlendem Mitgef\u00fchl, das Angehen gegen Ungerechtigkeit, Entw\u00fcrdigung und Leid, wo immer es uns gelingen kann, unsere Welt so zu gestalten, dass sie eine Welt wird, wo Mitgef\u00fchl, Gerechtigkeit und die W\u00fcrde alles Lebendigen geachtet und gelebt werden. Zweitens ist das Kreuz das Zeichen einer Liebe, die bis zum letzten Atemzug reicht und den Tod f\u00fcr alle Zeit \u00fcberdauert. Es ist das Zeichen der Liebe Gottes, die allem und allen gilt. Wir alle sind mit unserem Leben darin eingefasst und eingefasst mit dem, was zu unserem Leben geh\u00f6rt, mag es hell oder dunkel sein. In diesem doppelten Zeichen des Todes und der Liebe geschieht Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Wir werden uns ehrlich eingestehen m\u00fcssen: Wenn wir sterben, werden wir den Sinn unseres Lebens nicht erf\u00fcllt haben. Was wir getan und gesammelt haben, s\u00e4ttigte uns nicht. Was wir erstrebt haben, erreichten wir nicht. Was wir erhofft haben, trat nicht ein. Und wo wir Wahrheit gesucht haben, verdunkelten wir ihre Klarheit. Und wo wir lieben wollten, blieben wir weit zur\u00fcck. Wir k\u00f6nnten den Karfreitag und Karsamstag nicht ertragen, m\u00fcssten ihnen ausweichen, sie \u00fcbergehen, wie so vieles, das wir nicht an uns heranlassen, wenn dann nicht der Ostermorgen folgte: Es gibt eine Liebe trotz Hass und Gewalt, jene Liebe die den Tod \u00fcberdauert, es gibt das Leben aus dem Tod und nach dem Tod \u2013 Liebe und Leben aus Gott. Das Zeichen des Kreuzes m\u00f6ge uns in diesen Wochen helfen zu glauben, dass Jesus, der sein Leben f\u00fcr die Abgr\u00fcndigkeit und Verlassenheit aller Menschen dahingab, unser aller Leben zu seinem eigentlichen Ziel f\u00fchren will: zum ewigen Leben mit Gott.<\/p>\n<p>P. Gregor Schwabegger OCist","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken zu Passion und Ostern Das Kreuz. Es ist zuallererst ein Hinrichtungsinstrument, eines, das zu den grausamsten der Menschheitsgeschichte geh\u00f6rte. K\u00f6rperliche Blo\u00dfstellung und menschliche Entw\u00fcrdigung, qualvolles Sterben bis zu mehreren Tagen. 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