{"id":4369,"date":"2023-07-11T07:36:40","date_gmt":"2023-07-11T07:36:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=4369"},"modified":"2023-07-11T07:36:40","modified_gmt":"2023-07-11T07:36:40","slug":"heilsame-unterbrechung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=4369","title":{"rendered":"Heilsame Unterbrechung"},"content":{"rendered":"Die Urlaubszeit bietet uns eine heilsame Unterbrechung an. Denn sie h\u00e4lt eine zweifache Erkenntnis bereit. Erstens, dass wir nicht aufh\u00f6ren zu existieren, sobald wir aufh\u00f6ren etwas zu tun. Wir leben nicht nur f\u00fcr die Arbeit. Wir leben nicht blo\u00df, um etwas zu tun. Zweitens: Wollen wir nur geben, ohne auch zu empfangen, werden wir fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u201eausgesch\u00f6pft\u201c sein. Doch die Urlaubszeit ist nicht frei von alteingefahrenen Bahnen: Wird sie tiefer und erf\u00fcllter, schenkt sie uns mehr Erholung, wenn wir versuchen, all das nachzuholen, was im ganzen Jahr nicht m\u00f6glich gewesen ist, wenn wir in einer begrenzten Zeit mehr sehen, mehr tun und mehr erfahren wollen?<\/p>\n<p>Eine Urlaubszeit kann vollgepackt und verplant sein mit vielerlei Tun. Alles Wichtige muss gesehen und getan werden, nichts Wichtiges ist auszulassen. Wer wei\u00df denn schon, ob sich noch einmal eine solche M\u00f6glichkeit bietet? Und wie frustrierend ist es erst, wenn etwas Wichtiges dann in der Planung keinen Platz mehr findet oder wenn die Planung nicht funktioniert. So habe ich am Ende der freien Tage vieles gesehen und getan, aber nichts betrachtet, habe im Vor\u00fcbergehen vieles \u201ezur Kenntnis genommen\u201c, aber nichts auf mich wirken lassen. <\/p>\n<p>Ist es nicht ungleich kostbarer, das zu betrachten und dort zu bleiben, was einen anspricht und wohltut, gerade hier zu verweilen, hierin die Sch\u00f6nheit und Kraft auszukosten, als mit einem kurzen Blick an allem vor\u00fcberzugehen und gewisserma\u00dfen alles abzuhaken? Welche Erfahrungen bleiben nach dem blo\u00dfen Mehr-Sehen und Mehr-Tun in uns zur\u00fcck? <\/p>\n<p>Die Wochen des Urlaubs bieten auch die M\u00f6glichkeit zur geistlichen Lekt\u00fcre. T\u00e4glich werden wir mit Informationen, Bildern und W\u00f6rtern \u00fcberflutet mit der Folge, dass wir seelisch und geistig abstumpfen. Unser Bewusstsein wird vielfach nahezu zu einer Art M\u00fclltonne. Die geistliche Lekt\u00fcre in der Urlaubszeit bietet eine heilsame Unterbrechung: Sie sch\u00e4rft unser Bewusstsein, indem wir wieder lernen zu unterscheiden und zu entscheiden, was wir aufnehmen wollen und was unser Denken und Empfinden leitet und bestimmt. Doch auch hier m\u00fcssen wir aus dem Alltagstrott aussteigen. Denn zumeist lesen wir, um Interessen zu befriedigen oder einen Wissensdurst zu stillen. Bei der geistlichen Lekt\u00fcre verh\u00e4lt es sich anders: Wer geistlich liest, tut dies verweilend, mit innerer Aufmerksamkeit f\u00fcr die Bewegungen der Seele. Wer geistlich liest, l\u00e4sst die Worte und Sprachbilder auf sich wirken, taucht gleichsam in sie ein. Wer geistlich liest, tut dies h\u00f6rend, geht in die Tiefe mit dem Verlangen, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe zu wachsen. Sich t\u00e4glich eine bestimmte Zeit des Tages einer guten Lekt\u00fcre zu widmen, kann uns helfen, dass unser Geist wieder ein Gef\u00e4\u00df voll guter und sch\u00f6pferischer Gedanken wird und unsere Seele wieder neue Lebendigkeit gewinnt.<\/p>\n<p>Wer den Mut zur Betrachtung im Akt der Ruhe aufbringt, entdeckt etwas in sich selbst, erf\u00e4hrt etwas \u00fcber sich selbst, nicht blo\u00df au\u00dfer sich im Sehen und Tun. Wer betrachtet, der verkostet die Wirklichkeit. Wir k\u00f6nnen die Urlaubszeit als Einladung hierzu annehmen.<\/p>\n<p>P. Gregor Schwabegger OCist","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Urlaubszeit bietet uns eine heilsame Unterbrechung an. Denn sie h\u00e4lt eine zweifache Erkenntnis bereit. Erstens, dass wir nicht aufh\u00f6ren zu existieren, sobald wir aufh\u00f6ren etwas zu tun. Wir leben nicht nur f\u00fcr die Arbeit. 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