{"id":4410,"date":"2023-09-18T07:36:33","date_gmt":"2023-09-18T07:36:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=4410"},"modified":"2023-09-18T07:36:33","modified_gmt":"2023-09-18T07:36:33","slug":"in-der-lebensschule-jesu-ein-zugang-zur-bibel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftstams.at\/?p=4410","title":{"rendered":"In der Lebensschule Jesu &#8211; Ein Zugang zur Bibel -"},"content":{"rendered":"Die W\u00fcstenv\u00e4ter und -m\u00fctter haben es in ihrer Zeit wieder f\u00fcr alle wieder neu entdeckt und damit auch experimentiert: Christ und Christin ist man nicht statisch, sondern Christ und Christin wird man Tag f\u00fcr Tag in der Lebensschule Jesu. Benedikt von Nursia nennt das im Prolog seiner Klosterregel aus der Mitte des 6. Jahrhunderts ein Gehen \u201eunter der F\u00fchrung des Evangeliums\u201c. Das Wort Experiment leitet sich bekanntlich von <em>experimentum<\/em> \u2013 \u201edas in Erfahrung Gebrachte\u201c \u2013 und von <em>experiri<\/em> \u2013 ausprobieren, in Erfahrung bringen \u2013 ab. Experimentiert wird mit dem, was man in der Lebensschule Jesu mit Kopf und Herz verstanden hat. Fr\u00e8re Roger Schutz (gest. 2005), der Gr\u00fcnder der Gemeinschaft von Taiz\u00e9, bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: \u201eLebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist, aber lebe es! \u2026 Das Wenige, das wir vom Evangelium begreifen entfaltet sich in uns, sobald wir es, und sei es noch so sch\u00fcchtern, weitergeben.\u201c<\/p>\n<p>Von hier aus haben die W\u00fcstenv\u00e4ter und -m\u00fctter erfahren und sie haben ihre Erfahrung an die n\u00e4chsten Generationen weitergegeben: Die Heilige Schrift ist nicht eine Ansammlung von B\u00fcchern, Erz\u00e4hlungen, Glaubenss\u00e4tzen und ethischen Normen l\u00e4ngst vergangener Zeiten. Nein, sie ist inspirierter Raum verdichteter geistlicher Erfahrung und das bedeutet: Der Heilige Geist, Gottes sch\u00f6pferische Kraft, \u00f6ffnet in der betenden Meditation wie auch in der Liturgie die Schrift auf mein Leben hin und \u00f6ffnet mein Leben auf die Schrift hin. Die Schrift legt mein Leben aus und mein Leben legt die Schrift aus. Nochmals anders gesagt: Die Schrift wird gegenw\u00e4rtig und lebendig gesetzt \u2013 ich schreibe sie mit meinem Leben weiter. In diesem Zueinander und Ineinander von Wort, H\u00f6ren des Wortes, Aufnahme des Wortes und <em>experimentum<\/em>, gleichsam in diesem Klangraum, wandelt sich in der Lebensschule Jesu \u2013 \u201eunter der F\u00fchrung des Evangeliums\u201c \u2013 der innere Mensch.<\/p>\n<p>In diesem Klangraum wandelt sich das so neue Leben aus dem Evangelium auf Gott hin und \u2013darin \u2013 zugleich hin auf Sch\u00f6pfung und Mitwelt. Das H\u00f6ren des Wortes ist ganz im biblischen Sinn das H\u00f6ren mit dem Herzen als Mitte des Personseins: Verstand, Erkenntnis, Wille, Gef\u00fchle, Erinnerung. Es umfasst alle Dimensionen menschlicher Existenz, Licht wie Schatten und Dunkelheit. Es ist kurzum das Innere unseres Menschseins. Das H\u00f6ren der Schrift vollzieht sich darum mit allen Sinnen und Fasern unseres Menschseins und unserer Existenz, sodass der <em>so h\u00f6rende<\/em> Mensch mit Psalm 139 sagen kann: \u201eGott, du bist vertraut mit all meinen Wegen. Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt. N\u00e4hme ich die Fl\u00fcgel des Morgenrots, lie\u00dfe ich mich nieder am Ende des Meeres, auch dort w\u00fcrde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich ergreifen. W\u00fcrde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein! Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis. Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Scho\u00df meiner Mutter.\u201c<\/p>\n<p>Die biblischen Erz\u00e4hlungen und Zeugnisse entfalten so als Erinnerungskultur verdichteter geistlicher Erfahrungen eine gegenw\u00e4rtige Wirkm\u00e4chtigkeit: Ihre Lande, Orte und Begebenheiten werden zu Landen, Orten und Begebenheiten des eigenen Lebens. Die Person Jesu, im Volk Israel und dessen Glauben beheimatet und verwurzelt, ist nach dem Zeugnis des Paulus \u2013 seine Schriften sind die \u00e4ltesten des Neuen Testaments \u2013 der g\u00f6ttlich-menschliche Interpret der Tora, weil er selbst die menschgewordene Weisung der Tora ist, geb\u00fcndelt in dem Wort: \u201eDu sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst. An diesen Geboten h\u00e4ngt das ganze Gesetz und die Propheten.\u201c (Mt 22,37-40; vgl. Dtn 6,5; Lev 19,18)<\/p>\n<p>Die W\u00fcstenv\u00e4ter und -m\u00fctter haben, gleich den ersten Christen und Christinnen, die Erfahrung gemacht: In der Gemeinschaft der Lebensschule Jesu ist seine Gegenwart bleibend eingeschrieben. Dies wird bis heute bezeugt. Auf seinen Tod als Hingabe seines Lebens in der Liebe getauft und durch sein Auferstehen in das Leben Gottes hineingenommen, ist Nachfolge, das Gehen \u201eunter der F\u00fchrung des Evangeliums\u201c, das Lernen wahren Menschseins, neues Sein in Christus \u2013 hier immer unvollendet auf dem Pilgerweg des Lebens, aber hier immer in der Hoffnung auf die zuk\u00fcnftige Vollendung, die schon jetzt durchscheint.<\/p>\n<p>P. Gregor Schwabegger OCist","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die W\u00fcstenv\u00e4ter und -m\u00fctter haben es in ihrer Zeit wieder f\u00fcr alle wieder neu entdeckt und damit auch experimentiert: Christ und Christin ist man nicht statisch, sondern Christ und Christin wird man Tag f\u00fcr Tag in der Lebensschule Jesu. 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